Pressemitteilung des IVD-Deutschland

Auswirkungen der amerikanischen Immobilienkrise auf den deutschen Markt 

In den letzten Monaten haben wir in Deutschland sehr intensiv die
Auswirkungen der amerikanischen Immobilienkrise miterlebt. Die Börsen haben
hierauf teilweise sehr heftig reagiert. Auch deutsche Banken haben die
Auswirkungen zu spüren bekommen. Grund genug für den Immobilienverband
Deutschland (IVD Region Mitte), bei seiner alljährlichen Marktdatenerhebung besonders hierauf ein Augenmerk zu legen. Insgesamt kann man feststellen, dass sich in Hessen die Auswirkungen nicht direkt spürbar in dem Preis-gefüge niedergeschlagen haben. Allerdings sind die ohnehin schon sehr verhalten
reagierenden Banken bei Finanzierungsanfragen noch vorsichtiger geworden. So muss ein Käufer eine Vielzahl von Unterlagen vorlegen. Darüber hinaus ist die persönliche und wirtschaftliche Situation als „gläserner Kunde“ offenzulegen und ein höheres Maß an Eigenkapital einzubringen. Positiv kann man festhalten, dass der deutsche Immobilienmarkt für derartige Auswüchse, wie wir sie im amerikanischen Markt kennengelernt haben, nicht anfällig ist, da die Sicherheitsmechanismen bei uns stärker vorhanden sind.
Allerdings wies der IVD erneut darauf hin, dass der Immobilienmarkt immer mehr die negativen Auswirkungen der Mietrechtsnovellierung aus dem Jahr 2001 zu spüren bekommt. Damals wurde unter anderem die kurzfristige Kündigungsmöglichkeit einseitig für Mieter gesetzlich verankert. In Zeiten hoher Arbeitslosigkeit und der Pflicht nach einem hohen Maß an Flexibilität bei Arbeitsnehmern, dass sie heute in Stuttgart, morgen in Hamburg und übermorgen in Frankfurt beruflich tätig sind, hat dies zur Folge, dass verstärkter gemietet als gekauft wird. Dem läuft immer mehr entgegen, dass das Mietrecht derart kompliziert geworden ist und die Rechtsprechung sich sehr mieterfreundlich gestaltet, dass sich der private Investor fast vollständig aus diesem Markt zurückgezogen hat. Die Makler erheben hier warnend den
Zeigefinger in Richtung Zukunft, denn die Auswirkungen sind steigende Mietpreise bei einem sich verringernden Flächenangebot. So werden überwiegend frei werdende Wohnungen nicht mehr vermietet, sondern verkauft. Erwerber sind allerdings Selbstnutzer. Hierdurch gehen Mietflächen verloren. Gleichzeitig findet eine geringere Nachproduktion an neuen Flächen
statt als Nachfrage besteht. 

Die Politik ist hier dringend aufgerufen, auf diesen Zustand schnellstens zu reagieren, da sich die Auswirkungen am Immobilienmarkt immer erst mit enormer Zeitverzögerung bemerkbar machen und Probleme nicht kurzfristig lösbar sind.
Insgesamt hat sich im Jahr 2007 der Markt für Kaufimmobilien in den Ballungsgebieten überwiegend stabilisiert, während in den ländlichen Gebieten teils noch geringfügige Preisnachlässe hingenommen werden mussten. Ein freistehendes Einfamilienhaus kostet bei mittlerem Wohnwert durchschnittlich in Frankfurt 380.000 Euro, in Bad Homburg 420.000 Euro und im Stadtgebiet Kassel 150.000 Euro. Bei Reihenhäusern zeichnen sich bereits erste Tendenzen anziehender Preise ab. So stiegen die Preise für ein Reihenhaus mit gutem Wohnwert in Bad Homburg im Vergleich zum vergangenen Jahr von 320.000 auf 350.000 Euro.
Bei Eigentumswohnungen haben sich die Preisrückgänge in den letzten Jahren nicht mehr weiter fortgesetzt; auch hier zeichnet sich eine Stabilisierung ab. So kostet eine ETW in Frankfurt in guter Wohnlage rund 2150 Euro pro m², in Darmstadt 2000 Euro m² und in Marburg 1500 Euro. Überwiegend im ländlichen Bereich konnten hingegen noch Preisrückgänge verzeichnet werden. So sind ETW im Frankfurter Umland anstelle von 1650 Euro m² im vergangenen Jahr für durchschnittlich 1600 Euro m² zu bekommen. Mietwohnungen hingegen weisen in fast allen Regionen Preisstabilität mit einem starken Hang zu Preisanhebungen auf. Während in den ländlichen Gebieten stabile bis leicht steigende Preise beobachtet werden konnten, hat der Markt insbesondere in größeren Städten wie Frankfurt angezogen. Dies gilt sowohl für Mietwohnungen aus Bestand als auch für Neubau-Erstbezüge. So sind für eine Mietwohnung in Frankfurt mit gutem Wohnwert die Preise von 8,70 Euro auf 9,20 Euro gestiegen, bei Neubau-Erstbezug von 9,10 Euro auf 10,00 Euro. In Offenbach und Gießen stiegen die Preise für nach 1949 fertiggestellte Wohnungen in guter Lage von 6,50 auf 7,00 Euro, in Wiesbaden von 9,50 auf 10,00 Euro.  

 

Quelle: IVD-Preisspiegel Hessen 2008, Erhebungszeitraum 01/2008, IVD Mitte